Siebdruck – ganz einfach erklärt

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Als ich das erste Mal das Wort „Siebdruck“ gehört habe, dachte ich beim Wort „Sieb“ an ein Nudelsieb oder ein Teesieb und konnte mir gar nicht vorstellen, wie man damit etwas drucken kann.

Grundsätzlich erfolgt der Farbauftrag beim Siebdruck tatsächlich durch ein Sieb. Das Sieb wird auf den Bildträger (das ist das, was man bedrucken möchte, das kann Papier sein oder auch ein T-Shirt) aufgelegt, es kommt Farbe drauf – und diese Farbe wird dann durch das Sieb durchgedrückt. Das ergibt einen schönen gleichmäßigen Farbauftrag.

Das Sieb ist im Gegensatz zu einem Teesieb ganz flach, es besteht aus einem Rahmen, auf den ein spezielles Gewebe straff aufgespannt wird. Das Siebdruckgewebe ist sehr fein gewebt, durchscheinend, aber doch sehr robust, (nach einigen Drucken muss es gereinigt werden, damit die feinen Poren nicht verkleben, und das geht am Besten mit Hochdruck).

Das Durchdrücken der Farbe geschieht mit einem Siebdruckrakel, den könnt Ihr Euch so vorstellen, wie eine dieser Spachteln, die zum Fliesenverfugen verwendet werden. Allerdings ist die Gummilippe etwas härter und verbiegt sich nicht so leicht.

Um ein Motiv zu drucken muss man nun Teile des Siebes undurchlässig machen.
Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Direkt auf das zu Bedruckende etwas drauflegen (ein Papierstreifen, gerissenes Papier, Blätter, Gräser etc,), dann ist jedes Bild ein Einzelstück, weil das bei jedem neuen Bild etwas anders wird

  2. Ein Motiv mittels einer Selbstklebefolie auf das Sieb kleben. Damit kann man dann mehrere Drucke des gleichen Motivs herstellen. Allerdings ist die Anzahl der Drucke beschränkt, weil man ja das Sieb samt Folie nach einigen Drucken auswaschen muss und nach ca. 2 mal auswaschen die Folie nicht mehr sehr gut haftet (hängt auch von der Folie ab).

  3. Man malt mit wasserfest auftrocknender Farbe etwas auf das Sieb und lässt es gut trocknen. Dann kann man allerdings das Sieb nicht mehr für andere Motive weiterverwenden. Denn die Farbe geht nicht mehr ab.

  4. Aufbringen einer fotosensitiven(=lichtempfindlichen) Schicht und Belichtung

Überall dort, wo das Sieb oder das Papier auf dem gedruckt wird, abgedeckt ist, bzw. die Poren des Siebes verschlossen wurden, kommt keine Farbe auf das Bild. Also wie bei einer Schablone.
Soweit das Prinzip.

Fotosensitive Emulsion, Belichtung – Häh – was ist das jetzt schon wieder?

Das kann man sich so vorstellen, wie die berühmten „“Bikinistreifen“ im Sommer.
Die fotosensitive Emulsion entspricht unserer Haut, das Motiv dem Bikini und die Belichtung der Sonne.

Man trägt die Emulsion auf das Sieb gleichmäßig auf und lässt sie trocknen. Noch ist diese Beschichtung wasserlöslich. Und nun kommt der „Bikini“ ins Spiel!
Also mein Motiv. Ich lege also eine nichttransparente Vorlage auf das beschichtete Sieb. Und dann wird mit einer speziellen Lampe belichtet (das dauert etwa 3-5 Minuten – jedenfalls mit meiner Lampe. )
Dabei wird alles, was vom Licht getroffen wird, wasserfest!

Danach wird das Sieb mit lauwarmen Wasser gut ausgewaschen.

Diese fotosensitive Beschichtung ist so UV-empfindlich, dass man damit, bis man mit dem Auswaschen fertig ist, nur in der Dunkelkammer arbeiten kann.
Bis 2013 haben wir in der kleinen Werkstatt  immer nur die Methoden 1 -3 angewendet – ganz einfach und ohne großen technischen Aufwand – die Ergebnisse sind überraschend gut geworden. Zu den Beispielen.

Im Juli 2013 machte ich mich ans Arbeiten mit der Belichtungsmethode – dazu habe ich eine Dunkelkammer eingerichtet, indem ich das Badezimmer umgerüstet habe. Das ist sehr praktisch, weil ich da gleich nach der Belichtung die Siebe in der Dusche auswaschen kann. Über meine Erfahrungen berichte ich in einem eigenen Artikel – demnächst.

Was könnt Ihr mit dem Siebdruck machen?

Viele verwenden den Siebdruck zum Bedrucken von T-Shirts.
Dazu braucht man eine spezielle Textilfarbe. Der Druck wird nach dem Trocknen von der Rückseite gebügelt und somit hitzefixiert. Die so bedruckten T-Shirts können mit Temperaturen bis zu 60 Grad gewaschen werden ohne dass das Motiv abgeht.
Beispiel:


Auf Papier – oder auch auf Karton:
Ganz ohne Motiv lässt sich das Verfahren einfach nur für den Farbauftrag verwenden, dabei könnt Ihr auch auf das Sieb mehrere Farben nebeneinander aufbringen und diese Farbkombination „durchrakeln“ – das gibt interessante Effekte und geht schneller als das Malen mit dem Pinsel.

Beispiel:

Diese so entstandenen Bilder könnt Ihr dann weiterbearbeiten (noch etwas draufzeichen oder kleben wie bei einer Collage) oder auch nicht.
Dann könnt Ihr damit auch die verschiedensten Motive drucken und auch auf ein Blatt mehrere Drucke übereinander machen.
Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Das Tolle daran ist, dass es sehr schnell geht, bei meinen Kursen hatten die Teilnehmer Ruck Zuck mehrere Bilder fertig. An einem einzigen Nachmittag 6 tolle Bilder zu fabrizieren ist schon eine super Sache!

Ist das was für zuhause?

Kommt drauf an – wenn Ihr einen geeigneten Raum (Keller, Garage etc) habt, wo man nicht auf Möbel oder Boden aufpassen muss und und einen Platz (vorzugsweise im Freien) zum Siebreinigen, dann kann man das schon machen.

Fürs heimische Wohnzimmer ist es nicht so das Richtige  – es kann schon mal zu einer richtigen Patzerei ausarten und die Farben und Chemikalien, die man dabei verwendet, sind nicht gerade perserteppichkompatibel. Deswegen macht mein Kollege Gerhard seine Siebdruckkurse auch so gerne bei mir in der Werkstatt, weil wir uns da in der Scheune so richtig austoben können.


Der Vollständigkeit halber möchte ich noch anfügen, dass dieser Artikel den Siebdruck absichtlich sehr vereinfacht darstellt  und sich im Speziellen darauf bezieht, wie der Siebdruck bei mir im Atelier gemacht wird. Wer’s noch genauer wissen will,  findet hier  in der Wikipedia eine ganz ausführliche Beschreibung.